Eine Dokumentation über Walter Wassermann von Riccardo Biasibetti, Hüseyin Calikbasi, Daniel Norkus.

Vorpremiere am 17. Juni 2012 um 15 Uhr im Kunstverein Mannheim, Augustaanlage – im Rahmen der Werkschau.

 

Walter Wassermann, Jahrgang 1924, gehört zu den wenigen Mannheimer Juden, die den Nationalsozialismus in Mannheim überlebten. Herr Wassermann war 9 Jahre alt, als der Spuk begann. Er erlebte während dieser Zeit sehr viel Schreckliches und Barbarisches.
Jedoch hat er sein Leben wenigen Menschen zu verdanken, die sich heldenhaft und absolut mutig verhalten haben.
Tauchen sie in seine Lebensgeschichte ein. Ein Zeitzeuge, der von seinen Erlebnissen erzählt und sehen sie, wie er heute sein Leben gestaltet.

Sein Vater war Jude, die Mutter war zum jüdischen Glauben übergetreten. Nach dem frühen Tod des Vaters heiratete seine Mutter den jüdischen Freund ihres Mannes. Walter Wassermann lebte dann mit seiner Mutter, dem Stiefvater und einer Schwester in den Dreißiger Jahren in Berlin. Der Stiefvater wurde nach dem 9. November 1938 nach Buchenwald deportiert. Die Mutter kaufte ihn dort frei und verschaffte ihm eine Passage nach Shanghai.
Er zog danach mit der Mutter und der Schwester nach Mannheim und fand hier Schutz bei den katholischen,
„arischen“ Verwandten der Mutter. Die Deportation nach Gurs, bei der Walter Wassermanns Großeltern
verschleppt wurden, blieb ihm erspart, da er zu diesem Zeitpunkt noch in Berlin lebte. Seine Großeltern
wurden in Auschwitz ermordet.
Walter Wassermann musste als junger Mann in verschiedenen Mannheimer Betrieben zwangsweise
arbeiten. So in der so genannten „Lumpezwick“, bei der Firma H. und I. Ludwig und der Firma
Notti, beides Baufirmen.Noch im Februar 1945, mit 21 Jahren, wurde Walter Wassermann dann nach Theresienstadt deportiert. Von dort kehrte er mit einer kleinen Gruppe Gleichaltriger zu Fuß nach Mannheim zurück. Seine Altersgenossen emigrierten alle, er blieb in der Stadt. Auf die Frage nach dem Grund für sein Bleiben sagt er: „Ich bin einfach Mannheimer!“
Er blieb in Mannheim, heiratete bald und hat mit seiner Frau Lilly fünf Kinder.
Die beiden leben in Mannheim-Seckenheim. Zwei Jahrzehnte lang bewirtschafteten sie dort gemeinsam
das Gasthaus im Schloss. In den letzten Jahren, genau seit dem Jahr 2005, also 60 Jahre nach Kriegsende, hat Walter Wassermann begonnen, über seine Erlebnisse zu sprechen. Er spricht in öffentlichen Veranstaltungen und in Schulen über sein Leben.
Sein Motto dabei ist: „Ohne die Guten wäre ich heute nicht hier.“

Danksagung
Mit freundlicher Unterstützung von Walter Wassermann und Veronika Wallis‒Violet, die das Projekt ermöglicht haben.
Begleitung
Maximilian Richter, Prof. Heinz Wyrwich
Projektkoordination
Hüseyin Calikbasi